Technik

Die gegenwärtigen Automatikgetriebe sind ein wichtiges Systemelement jedes Autos. Seit Anfang der 1990er-Jahre haben sich die meisten Hersteller für die elektronische Steuerung der Getriebe entschieden. Da das elektronische Kraftstoff-Einspritzungssystem sowohl für Benzin- als auch Dieselmotoren eine „Pflichtausstattung“ ist, ist es schwer sich vorzustellen, dass die Getriebe mit komplizierten Hydrauliksystemen gesteuert werden. Die Fliehkraftregler, Vacuumdosen oder Seil- bzw. Drahtzüge, welche die Lage der Schaltpunkte bestimmt haben, gehören schon zur Geschichte. Ein modernes Getriebe ist ein mechanisch-hydraulisches Element, das seine Aufgabe exakt nach elektrischen Signalen realisiert, die vom Modul EGS (Elektrohydraulische Getriebesteuerung) kommen, von dem Computer also, der die beste Getriebeübersetzung bei Berücksichtigung der Fahrzeuggeschwindigkeit, der Stellung des Gaspedals, Motorbelastung, Öl- und Umgebungstemperatur und sogar Fahrergewohnheiten berechnet. Kaum jemand überlegt, wie viele Faktoren und Elemente des ganzen Fahrzeugs einen Einfluss auf die richtige Arbeit des Automatikgetriebes haben können. Je mehr Zusammenhänge für das Funktionieren des Automatikgetriebes vorhanden ist, desto mehr Ausfallursachen können auftreten. Die Auffindung der ursprünglichen Ausfallursache ist eine Grundlage für eine effektive Reparatur.
Anhand von einigen Beispielen versuche ich Ihnen zu erklären, warum es von so großer Bedeutung ist, die Reparatur eines Automatikgetriebes den Fachleuten anzuvertrauen, statt das Auto in die Hände von Laien zu geben, die auf Ihre Kosten versuchen werden, etwas zu erlernen.

Am Beispiel des 5-Gang-Automatikgetriebes, das seit dem Jahre 1996 serienmäßig in den Pkws der Marke Mercedes montiert wurde, kann man sich die allgemeine Art und Weise des Funktionierens eines gegenwärtigen Automatikgetriebes vorstellen. Sein kompakter Bau basiert auf dem Einsatz der Planetengetriebe, die mit Hilfe von drei Lamellenkupplungen, drei Lamellenbremsen (keine Bremsbänder mehr!!) und zwei Freilaufkupplungen betrieben werden. Für die Übertragung des Antriebs vom Motor aus ist der Drehmomentwandler mit Wandlerüberbrückungskupplung zuständig. Das Ganze wird von einer Zahnradölpumpe versorgt und geschmiert. Diese Pumpe wird direkt vom Motor betrieben. Das Schließen der einzelnen Kupplungen und Bremsen erfolgt mithilfe der elektrohydraulischen Steuereinheit, von der das unter Druck stehende Öl an die entsprechenden Versorgungskanäle der Ausführungselemente geleitet wird. Auf der elektrohydraulischen Steuereinheit befinden sich drei Sequenz-Elektroventile (Schaltmagnetventile), zwei Impuls-Elektroventile (Modulationsmagnetventile) und ein Magnetventil, das die Wandlerüberbrückungskupplung steuert. Für die direkte Verteilung und Regulierung des Öldrucks sind mehrere Schieberventile aus oxidiertem Aluminium zuständig, die mithilfe des Öldrucks verschoben werden. Die Arbeit des Getriebes wird ständig von zwei Drehzahl- und einem Öltemperatursensor überwacht.